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Warum ist Mikroplastik ein Problem? – Schmutzige Wäsche waschen

Wie Du faire und nachhaltig Halloween feiern kannst haben wir Dir im letzten Beitrag gezeigt. Wir zeigen Dir im aktuellen Blog warum Mikroplastik ein Problem ist und was Du dagegen tun kannst.

Seit einiger Zeit kosten Plastiktüten extra im Supermarkt oder beim Shoppen. Warum das so ist – das versteht wohl auch so gut wie jeder, der einmal die Bilder von den zugemüllten Weltmeeren gesehen hat. Hier wird, Achtung Wortspiel, das Mikroplastik Problem plastisch… Doch, dass jetzt auch noch die Kleidung, die wir tragen zum Problem wird, dürfte die meisten wohl überraschen. Und dies trifft faire Kleidung ebenso wie Discounter-Klamotten. Sobald auch nur ein Prozent Elastan oder Polyester verarbeitet wurde, besteht die Kleidung aus nicht-abbaubaren Materialien – Plastik eben. Besonders die Outdoor- und Sportbranche ist davon betroffen. Das Problem bleibt auch bestehen, wenn die Kleidung aus recycelten Materialien hergestellt wurde. Damit wurde der Kunststoff zwar einem weiteren Lebenszyklus zugeführt – von der Flasche zur Tasche sozusagen – bleibt aber nicht-abbaubar und in Textilien verarbeitet ihrerseits nur sehr schlecht recycelbar. Die Liste an möglichen Kunststoffen in Kleidung ist lang: Aramid (Kevlar), Polyamid (Nylon), Polyester, Polyethylen, Polypropylen und Polyurethan (Elastan, Lycra). Na? Noch Lust ein T-Shirt anzuziehen? 

Fast Fashion

Vermutlich wird dem Thema selbst in der ‚Grünen Szene‘ nur wenig Beachtung geschenkt, weil man sich fragt, was so drei, vier Prozent Elastan in der Kleidung schon einen Impact haben können. Doch der Eindruck täuscht. Denn gerade was Kleidung betrifft ist man sich den Massen einfach nicht bewusst, die jeder Mensch konsumiert, besitzt und verbraucht. Stichwort ‚Fast Fashion‘. 60 Kleidungsstücke (ohne Unterwäsche etc.) kauft der Durchschnittsdeutsche pro Jahr. Das sind rund 4.860.000.000 Klamotten alleine in Deutschland. Rechnet man den Bestand an Kleidung noch hinzu kommt man auf tausende Tonnen Plastik in den Kleiderschränken der Bundesrepublik. Experten gehen davon aus, dass sich die Konsumspirale in den nächsten Jahren noch schneller drehen wird. Das ist nicht nur schlecht für euren Geldbeutel. Der ständige Kollektionswechsel und aufgebaute Konsumdruck kann einfach auch nur nerven.

Ein Meer aus Mikroplastik

Das alleine würde eigentlich schon als Problem ausreichen, doch es kommt noch schlimmer. Das Plastik der Kleidung kommt in Form von Mikroplastik in der Umwelt an. In unserem Essen, Trinkwasser, ja sogar im arktischen Eis konnte man mittlerweile diese Art der Vermüllung feststellen. Unsere Kleidung hat daran seinen Anteil; wenngleich auch das Ausmaß noch nicht in Gänze erforscht wurde. Fest steht – ein Fleecepullover verliert alleine durchs Waschen fünf bis 15 Prozent seiner Fasern im Laufe seines Pulloverlebens. Eine Studie der britischen Plymouth University hat die Menge und Größe der Fasern analysiert, welche bei einer üblichen Wäsche bei 30 oder 40 Grad Celsius aus synthetischen Textilien verloren gehen. Das Ergebnis: 138.000 Fasern bei einem Polyester-Baumwoll-Mischgewebe, aus reinem Polyester etwa 496.000 Fasern und aus Acryl-Gewebe 730.000 Fasern. Die Kläranlagen in Deutschland können davon wiederum nicht alles filtern und das was gefiltert wurde kommt in Form von Klärschlamm wieder auf die Felder als Düngemittel. Guten Appetit. Umweltverbände sprechen daher von Textilien als eine der Hauptquellen für Mikroplastik in den Weltmeeren. „Der Anteil aus Textilien beträgt rund 35 Prozent des Gesamteintrages von Mikroplastik in die Meere“, sagt Nadja Ziebarth Meeresschutzexpertin des Bund e. V.

Altkleider-Kollaps

Die Umweltbelastung durch Kleidung wird in Zukunft zudem eher zunehmen als abnehmen. Das beginnt bei der Massenproduktion der Kleidung, über die Nutzungszeit durch häufiges und intensives Waschen bis hin zur Entsorgung im Altkleidercontainer. Doch was geschieht mit der Kleidung die dann über die Altkleidersammlung abgegeben wird. Schon jetzt sind die Sammelstellen mit den dreiviertel der gesamten Kleidung, die zurückkommt, überfordert. Es fehlt einfach der Markt für die gebrauchten Sachen und nur etwa ein Viertel wird recycelt. Wobei dies nicht bedeutet, dass aus alter Kleidung neue Kleidung hergestellt wird, sondern oftmals landen die geschredderten Fasern in Isolier- und Dämmmaterial.  Was passiert mit der übrigen Kleidung? Wird dann das Plastik in Form der nicht mehr gebrauchten Klamotten einfach auf Müllhalden gehortet? Kommt ein Recyling-Verfahren zum Zuge? Oder gehen die nicht mehr gewollten Hosen und Jacken mitsamt dem Elastan und Polyester einfach in Rauch auf? Fragen deren Antworten einen eigenen Beitrag füllen könnten. Nur so viel sei gesagt: Ein einheitliches System gibt es nicht. 

Und jetzt?

Was können wir tun? Einfach auf die Bestandteile der Kleidung achten. 100 Prozent Baumwolle, trägt sich nicht nur gut, es ist eben auch unbedenklicher für Mensch und Umwelt. Organic Labels gibt es genug und alternative, natürliche Werkstoffe für Kleidung auch. Neben der angesprochenen Baumwolle gibt es noch Wolle, Seide, Hanf, Jute oder auch Leinen. Ansonsten gilt es auch hier, wie bei jedem anderen Klimathema, den Konsum von Kleidung einfach einschränken, weniger kaufen und länger tragen. Denn wenn wir bei dem Konsumtempo in der Kleidungsindustrie bleiben kann der Bedarf auch nicht durch Naturfasern gedeckt werden die in der Regel von Pflanzen oder Tieren kommen. Diese wiederum benötigen Platz und vor allem Wasser. Der Umwelt wäre damit also nicht geholfen.  

Ganz ohne Kleidung, kann man ja nun auch nicht vor die Tür und je nach Lebensstil ist Kunststoffkleidung auch Alternativlos. Mit anderen Worten, ich kann mich vielleicht einschränken oder wenigsten darauf achten was ich trage aber ich kann wohl nicht ohne in Klamottenfasern gebundenen Kunststoff auskommen. Daher kann man auch beim Waschen selbst ansetzen: Einige Projekte und Unternehmen beschäftigen sich mit Filteranlagen in Waschmaschinen oder mit Wäschebeutel in der die Kleidung zum Waschen gesteckt wird und somit ebenfalls eine Art Mikroplastikfilter darstellt. Doch die Wäschebeutel können, darauf weißt auch unter anderen der BUND hin, nur als Übergangslösung angesehen werden. Denn auch wenn das Mikroplastik nicht über die Waschmaschine in die Gewässer gelangt so besteht doch die Gefahr, dass das Plastik bei der Entsorgung der Beutel über den Hausmüll in die Umwelt gelangt.  

Generell gilt: Weniger oft waschen und wenn bei niedrigen Temperaturen im Schonwaschgang. Es ist auch möglich eine Kaltwäsche durchzuführen, wenn es der Verschmutzungsgrad der Wäsche zulässt. Auf Weichspüler sollte man gänzlich verzichten, weil auch diese Fasern eher lösen. Die Umweltverbände setzen sich darüber hinaus dafür ein, dass es eine wirksame industrielle Vorwäsche der Kleidung verpflichtend wird und zudem rechtliche Vorgaben für Filteranlagen in Kläranlagen festgelegt werden.

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Kommentare
  1. Hallo Basti,
    ein wirklich sehr guter Beitrag. Die Verschmutzung durch Mikroplastik belastet uns alle und ist ein wirklich ernst zunehmendes Thema. Danke dafür

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